16. Kreiskonferenz der AWO Karlsruhe-Land

Der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Kreisverband Karlsruhe-Land hat auf seiner 16. Kreiskonferenz in Waghäusel am Wochenende einen neuen Vorstand gewählt und wegweisende Entscheidungen für die Zukunft des Sozialverbandes im Landkreis getroffen. Auf Roland Herberger als langjährigen 1. Vorsitzenden an der Spitze des Verbands folgt Uwe Presler aus Weingarten als Vorsitzender.

Vorsitzender Herberger betont Rolle der Arbeiterwohlfahrt

In seiner Begrüßung der Delegierten und Gäste im Katholischen Pfarrzentrum Waghäusel-Kirrlach, dem Alfred-Delp-Haus, verwies Roland Herberger auf die krisenbehaftete Gegenwart, die einen Einsatz für Chancengleichheit und Gerechtigkeit notwendig macht. „Es fehlt oft Geld für grundlegende Dinge: für Bildung, für Infrastrukturmaßnahmen, die Sanierung von Krankenhäusern, oder für eine solide Finanzierung der Pflege“, so Herberger, der sich für eine Übergewinn-Abgabe für Krisengewinner aussprach.
In der Geschichte der Bundesrepublik sei die AWO ein Korrektiv für soziale Gerechtigkeit: „Wir können stolz darauf sein, was die Arbeiterwohlfahrt seit ihrer Gründung im Jahr 1919 geleistet und erreicht hat“, konstatiert Herberger. „Doch auch in der heutigen Zeit sind die Werte der Arbeiterwohlfahrt unverzichtbar“.

Waghäuseler OB Deuschle würdigt Zusammenarbeit

Auch der Waghäuseler Oberbürgermeister Thomas Deuschle verwies auf eine besonders für Kommunen herausfordernde Lage und dankte dem Kreisverband, der in Waghäusel insgesamt 13 Angebote betreibt, darunter Schülerhort, Zwergenstube, Seniorenzentrum und betreute Wohnanlagen. Er betonte die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements in den Ortsvereinen für den Wohlfahrtsverband. „Ich danke für die vertrauensvolle Zusammenarbeit“, so Oberbürgermeister Deuschle.

Auszeichnungen für langjährigen Einsatz

Wilfried Pfeiffer, Bezirksvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Baden, überbrachte die Grüße des Bezirksverbands und würdigte besonders das Engagement von Roland Herberger, der 25 Jahre lang dem Kreisverband vorstand.
Für langjähriges Engagement geehrt wurden Horst Riegler mit der bronzenen Ehrenmedaille der Arbeiterwohlfahrt sowie Thomas Riedel mit der silbernen Ehrenmedaille.

Geschäftsführerin Nosal: Pandemie ohne Entlassungen gestemmt

Angelika Nosal verwies im Bericht der Geschäftsführung auf das in den letzten fünf Jahren seit der vergangenen Kreiskonferenz Erreichte: „Wir haben die Zukunft unseres Verbandes mit einem Zukunftsbild sichtbar gemacht“, betonte Nosal. So sei es gelungen, den über 100 Einrichtungen der AWO im Landkreis Karlsruhe ein einheitliches Bild zu geben. „Unser Weg in die Zukunft ist heute klarer“, so Nosal und verwies auf zahlreiche Fortschritte in jüngster Zeit: Neue Einrichtungen wurden gegründet, Pfleger*innen ausgebildet, derzeit wird eine Anlehnung an den Tarifvertrag der AWO angestrebt.
Die Pandemie sei eine „beispiellose Zeit“ gewesen, so die Geschäftsführerin. „2020 mussten wir zum ersten Mal Einrichtungen komplett schließen. Niemals hätte ich gedacht, dass wir jemals für Beschäftigte Kurzarbeit anmelden müssen“, schilderte Nosal und beschrieb die Ängste unter den Mitarbeiter*innen. Es sei gelungen, die Corona-Schließzeit ohne Kündigungen zu bewerkstelligen, während die AWO Karlsruhe-Land das Kurzarbeitergeld für Beschäftigte zunächst auf 100, dann auf 90 Prozent des Gehalts aufgestockt hat. Nach wie vor zeigen sich jedoch Auswirkungen im Bereich der Pflegeeinrichtungen, wo bis heute Schutzmaßnahmen gelten.
Kritik übte die AWO-Geschäftsführerin Nosal an der Gesundheitspolitik: „Aus der Pflegereform wurde nur ein Pflegereförmchen“, auch ein brancheneinheitlicher Tarifvertrag fehle weiterhin. Zudem erschwere eine zunehmende Bürokratisierung die tägliche Arbeit in der Pflege.

Geschäftsführerin Krämer: Wirtschaftliche Lage stabilisiert

Geschäftsführerin Elke Krämer betonte ebenfalls die Herausforderungen, vor denen die Kranken- und Altenpflege steht. Besonders der Fachkräftemangel bedrohe die Versorgungssicherheit: „Der Beruf ist attraktiv und wir werden ihn weiter aktiv machen“, versprach Krämer der Versammlung. Sie sieht im Rückblick „aufwühlende Jahre“ seit der vergangenen Kreiskonferenz.
Weiterhin benannte Krämer als wichtiges Tätigkeitsfeld der AWO im Landkreis die inklusive Beschäftigung von Menschen im Rahmen der Eingliederungshilfe, die erst kürzlich ausgebaut wurde: So ist etwa im Bruchsaler Sozialkaufhaus „Schatzgrube“ eine nachhaltige Neukonzeption gelungen, dort soll künftig ein Repair- und Begegnungscaffè das Angebot ergänzen.
Die Zahl der hauptamtlich Beschäftigten der Arbeiterwohlfahrt ist weiter auf deutlich über 1.000 Mitarbeiter*innen angewachsen. Dem Catering und Service Bereich, wo die Zentralküche der AWO neben eigenen Einrichtungen werden auch externe Träger und Privatpersonen mit Menüs beliefert, sei der Zugewinn neuer Kunden gelungen. Steigende Lebensmittel-, Energie- und Sachkosten stellen jedoch das Catering-Angebot vor Herausforderungen. Die wirtschaftliche Lage der Gesellschaften, so Krämer, habe sich dennoch überwiegend stabilisiert. „Wir sehen einer neuen Ära entgegen und werden Neues wagen“, resümiert die Geschäftsführerin.
Für die Zukunft benannte Krämer den Aufbau von Einrichtungen der Altenhilfe in der Bruchsaler Bahnstadt, wo sich die AWO als Träger am entstehenden Quartier beteiligt. Zudem wurden die Verhandlungen mit Investoren zum Erweiterungsbau des Seniorenzentrums Bundschuh in Untergrombach abgeschlossen und nun die Bauphase eingeleitet. Die Umstrukturierung der Gesellschaften des Kreisverbands sei eine weitere Herausforderung.

Appell für faire Entlohnung in der Pflege

In den verabschiedeten Anträgen bezieht der Kreisverband unter anderem Stellung zur Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements seiner Mitglieder und appelliert an die Bundesregierung, mit dem Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetzes alle in der Pflege beteiligten Arbeitskräfte in der fairen Entlohnung zu berücksichtigen. Weiterhin stellt die die Kreiskonferenz in einem Beschluss Weichen für eine Neustrukturierung der Verbandsstruktur und Gesellschaften.

Uwe Presler zum neuen Vorsitzenden gewählt

Bei den anschließenden Wahlen wurde Uwe Presler zum ersten Vorsitzenden der AWO Karlsruhe-Land gewählt, zu seinen Stellvertretern Thomas Riedel und Wolfgang Oberle, die dem Kreisvorstand bereits viele Jahre angehören. Uwe Presler, der in Weingarten mit seiner Familie wohnt, betonte in seiner Rede seine Leidenschaft, Themen der sozialen Gerechtigkeit voranzutreiben. Als eines seiner Ziele formulierte Presler, die AWO im Landkreis zum beliebtesten sozialen Dienstleister machen zu wollen. Auch die ehrenamtlich geführten Ortsvereine mit vielfältigen Angeboten vom Seniorennachmittag bis zur Jugendfreizeit wolle er stärken.
Seinen Vorgänger Roland Herberger würdigte Presler als „Mann mit Weitblick für die sozialen Themen“, unter dem der AWO-Kreisverband kontinuierlich gewachsen sein. „Danke für 25 Jahre als Vorsitzender“, so Presler.

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